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Kinder

Kinder sind unsere wertvollste Investition

Kinder sind ein weites Thema. Woran ich spontan denke ist: unerfüllter Kinderwunsch, Eltern-Sein, Bedürfnisse des Kindes, das innere Kind, Lebensfreude, Generationenvertrag, Familie und geschiedene Familien, Trennung der Eltern, Liebe, Gesellschaft, Schule, Erziehungsprobleme ...

Das kann ich natürlich auf einer Seite nicht alles besprechen. Aber vielleicht mal etwas ganz Grundsätzliches.

Das Problem am Kindsein ist, dass kein Mensch mehr wirklich weiß, was es bedeutet. Jeder ist mit Erziehung aufgewachsen, mit Krisen und uneinfühlsamen Menschen. Jeder hat sich seinen speziellen Reim drauf gemacht und diese Erfahrungen in sein Weltbild eingebaut. Jeder hat Geschichten, Mythen und Lügen über seine Kindheit im Kopf. Wer weiß schon noch etwas von den Gefühlen, Sehnsüchten, Enttäuschungen und Lichtblicken eines kleinen Jungen und eines kleinen Mädchens? Wenige. Und trotzdem haben alle wieder Kinder und ziehen sie auf, wie sie selbst aufgewachsen sind oder gerade anders herum oder jetzt erst recht alternativ. Das große Problem ist die Orientierungslosigkeit im Umgang mit Kindern.

Kinder haben ganz grundsätzliche wichtige Bedürfnisse und wenn diese nicht erfüllt werden, dann hat das negativen Einfluss auf die Entwicklung. Viele sogenannte Persönlichkeitsstrukturen ("so bin ich halt") gehen zurück auf alte Erfahrungen von Entbehrung und Hilflosigkeit.

Als erstes braucht ein Kind Liebe in Form von zwei Eltern, die sich fürsorglich kümmern, das Kind ertragen, wenn es schreit und mit ihm spielen, es berühren, halten, wiegen, trösten. Dadurch entsteht beim Kind das Gefühl von Geborgensein, das auch Urvertrauen genannt wird. Dadurch wird es ermutigt, beim Größer-werden allmählich munter auf seine Umgebung los zu marschieren und sie zu erforschen.

Dann braucht das Kind zusätzlich Ermutigung. Es braucht die Gewissheit, dass jemand da ist, wenn es zurück kommt, wenn es Hilfe oder Zuwendung braucht. Es braucht die Erfahrung, dass es die Eltern dazu bewegen kann, sich zu kümmern. Dass es selbst etwas dazu beitragen kann. Wenn es das bekommt, dann wird es selbstsicher. Dann wird es in Kontakten zu neuen Personen zuversichtlich und optimistisch sein und entsprechend positiv wird seine Wirkung auf Andere sein.

Als nächstes braucht das Kind Förderung seiner Talente und Eigenschaften. Nicht dieses ehrgeizige "du musst dieser oder jener Norm entsprechen", sondern das aufmerksame Unterstützen bei seinen eigenen Impulsen und Interessen. Es braucht Antworten, ehrliche Antworten auf seine Fragen, es braucht geistige Anregung, es braucht körperliche Herausforderungen, das Kind will sich ausprobieren. Zu ängstliche oder zu fordernde Eltern oder Lehrer werden das Kind daran hindern, Spaß an sich selbst, Eigenmotivation und natürlichen Ehrgeiz zu entwickeln.

Ein Kind braucht auch Respekt, Achtung und liebevolle Führung. Früher legten Eltern großen Wert darauf, von ihren Kinder Respekt und Achtung zu erhalten, ohne ihre Kinder jedoch achtungsvoll zu behandeln. Wie kann ein Kind da lernen, was Achtung und ein respektvoller Umgang ist? Heute haben Eltern schon manchmal ein Problem, wenn sie respektvolle Behandlung von ihren Kinder einfordern müssten. Es ist wichtig, dass wir Kinder als vollwertige Menschen mit denselben Rechten ansehen wie Erwachsene und Ihnen einen altersentsprechenden Bonus schenken. Ein dreijähriges Kind darf ausflippen und herumtoben und seine Eltern beschimpfen, ein dreizehjähries Kind muss darauf hingewiesen werden, dass es eine Grenze überschreitet. Dem Alter entsprechend braucht das Kind eine klare Rückmeldung darüber, was respektvoller Umgang ist und wo die Grenzen sind. Klarheit bedeutet eindeutige Kommunikation, gewaltfreies Reagieren, d.h. sich selbst schützen, ohne den Anderen zu demütigen oder zu misshandeln. Es braucht auch Erwachsene, die vorleben, wie man sich bei eigener Grenzüberschreitung verhält, indem sie selbst fähig sind, sich zu entschuldigen, sogar dem Kind gegenüber.

Dann braucht das Kind die Freiheit, sich von der Familie weg entwickeln zu dürfen und seinen eigenen Weg zu finden. Damit die inzwischen Jugendlichen zu eigenverantwortlichen Menschen heranreifen, sollten wir ihnen etwas zutrauen, Vertrauen in sie haben und sie "an der langen Leine" führen. Also nicht laufen lassen, ohne sich zu interessieren, aber auch nicht einsperren oder an sie Aufgaben abgeben, die eigentlich unsere Sache wären. Ein Jugendlicher braucht das lebendige Interesse der Eltern an seiner Entwicklung. Das heißt auch hier wieder die Gratwanderung zu finden zwischen Zutrauen und Hilfestellung, zwischen Freiheit und Kontrolle.

Wenn sie das verstanden haben, dann werden Sie auch besser verstehen, wer das innere Kind in Ihnen ist und was es ursprünglich brauchte und ersehnte. Vielleicht bleibt es dann nicht mehr nur ein unbekanntes Wesen, das Sie heimlich immer noch dazu bringt, Strategien und und Manipulationen anzuwenden, um wenigstens doch noch ein Häppchen davon zu bekommen.