Sekten
Der Begriff 'Sekte' diente ursprünglich einmal als Sammelbezeichnung für
alle weltanschaulichen
oder wirtschaftlichen Gemeinschaften, die sich um eine Person oder Lehre gruppieren
und sich dabei abgrenzen gegen Einflüsse von außen. Das muss an sich noch keine
schlechte Sache sein, immerhin haben alle Weltreligionen mal als 'Sekten' angefangen
und solche Grupppen können auch besondere Impulse in eine Gesellschaft geben.
Heute verwendet man den Begriff 'Sekte' im negativen Sinn und wird gelegentlich auch
zur schnellen Abwertung benutzt. Die Sektenspezialisten haben sich darauf geeinigt,
dass eine Gruppierung dann eine 'Sekte' ist, wenn
es sich um eine Gemeinschaft handelt, die entweder von vorne herein
geplant oder im Verlauf einer ungünstigen Entwicklung ihre Mitglieder unterdrückt und
von sich abhängig macht. In Folge davon haben es Mitglieder sehr schwer,
aus einer solchen Sekte wieder auszusteigen. Aussteiger haben oft ganz große Probleme, wieder
einen geregelten Alltag und Selbstwertgefühl aufzubauen. Psychotherapeutisch gesehen
zeigen Aussteiger häufig die typischen Verhaltensweisen und Probleme von Co-Abhängigen.
Für solche (mutigen) Menschen gibt es deswegen Selbsthilfegruppen und psychotherapeutische
Unterstützung.
Wie man eine solche Sekte erkennen kann, dazu möchte ich zur Prävention hier einige Tips geben,
für den Fall, dass Sie Kontakt
zu einer Gemeinschaft haben und sich unsicher sind über Ihre Wahrnehmung.
- Vorsicht!
Die Sekte behauptet, dass Ihre persönliche
Wahrnehmung falsch sei. Denn nur die Gemeinschaft oder der Lehrer (Guru, Leiter,
Meister, Führer) wissen
genau, was richtig und was falsch ist. Kompromisse oder Ausnahmen gibt es nicht.
Die Lehre der Gruppe wird als einzig richtige Wahrheit dargestellt, Widerspruch ist nicht
erwünscht oder wird als feindlich (satanisch, abtrünnig, zerstörerisch...) gebrandmarkt.
Es fehlt an Toleranz gegenüber Andersdenkenden, sie werden verurteilt. Jede Kritik an der
Sekte ist der Beweis dafür, dass die Gruppe sich nach außen abschotten muss.
- Vorsicht!
Die Lehre ist einfach und passt in ein paar Buchseiten. Sie erklärt alle Ihre Probleme
und hat für alle Probleme die eine Lösung. Die Sekte bietet Ihnen Schutz vor Ihren
Sorgen und Nöten, sie behauptet, dass Ihre Alltagsverpflichtungen nicht mehr wichtig seien
und verspricht Ihnen ein einfaches Patentrezept zur Erlösung.
- Vorsicht!
Die Sekte ängstigt Sie mit einer großen Bedrohung (Katastrophe, Hölle,
höchtes Gericht, Weltuntergang ...), um dann die Mitgliedschaft in der Sekte
als den einzigen Ausweg, die einzige Lösung zu präsentieren.
Alle anderen Menschen sind verloren und dem Untergang geweiht.
- Vorsicht!
Sie haben den Eindruck, nicht mehr frei in Ihren Entscheidungen und in Ihrer Lebensgestaltung
sein. So zum Beispiel: Die Sekte will, dass Sie sofort Mitglied werden. Die Sekte
schreibt Ihnen genau vor, zu welchen Personen Sie noch Kontakt haben dürfen und zu welchen nicht.
Die Sekte verlangt von Ihnen Hilfstätigkeiten, die viel Zeit und Geld in Anspruch nehmen.
Die Sekte verlangt strikte Befolgung aller Regeln und Verbote. Sie macht rigide Vorschriften
zu Ihrer Partnerwahl und zu Ihrem Sexualleben.
- Vorsicht!
Es ist schwer, die genaue Struktur und die Finanzierung der Gemeinschaft zu verstehen.
Entweder gibt es eine Hierarchie, zu der nach oben hin kein oder kaum Kontakt möglich ist.
Oder Sie erhalten keine Antworten auf Ihre Fragen, die relevante Informationen enthalten.
Sie werden vertröstet oder beschwichtigt (das muss man selbst erleben, kann man nicht
beschreiben, Mitmachen erklärt alles...) Zweifel werden als Ihr persönliches Unvermögen
gedeutet (Sie besitzen eben nicht genug Glauben, Vertrauen oder Eignung).
Kostenlose Informationen und Hilfestellung erhalten Sie bei den
kirchlich Beauftragten für Weltanschauungsfragen, die
es in jeder Diözese bzw. jedem Bundesland gibt. Bei den Ministerien für
Gesundheit und Soziales oder bei örtlichen Hilfsorganisationen.
Adressen gibt es bei der evangelischen Zentralstelle für
Weltanschauungsfragen (EZW) in Berlin, Internet: www.ekd.de/ezw/