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Sekten

Der Begriff 'Sekte' diente ursprünglich einmal als Sammelbezeichnung für alle weltanschaulichen oder wirtschaftlichen Gemeinschaften, die sich um eine Person oder Lehre gruppieren und sich dabei abgrenzen gegen Einflüsse von außen. Das muss an sich noch keine schlechte Sache sein, immerhin haben alle Weltreligionen mal als 'Sekten' angefangen und solche Grupppen können auch besondere Impulse in eine Gesellschaft geben. Heute verwendet man den Begriff 'Sekte' im negativen Sinn und wird gelegentlich auch zur schnellen Abwertung benutzt. Die Sektenspezialisten haben sich darauf geeinigt, dass eine Gruppierung dann eine 'Sekte' ist, wenn es sich um eine Gemeinschaft handelt, die entweder von vorne herein geplant oder im Verlauf einer ungünstigen Entwicklung ihre Mitglieder unterdrückt und von sich abhängig macht. In Folge davon haben es Mitglieder sehr schwer, aus einer solchen Sekte wieder auszusteigen. Aussteiger haben oft ganz große Probleme, wieder einen geregelten Alltag und Selbstwertgefühl aufzubauen. Psychotherapeutisch gesehen zeigen Aussteiger häufig die typischen Verhaltensweisen und Probleme von Co-Abhängigen. Für solche (mutigen) Menschen gibt es deswegen Selbsthilfegruppen und psychotherapeutische Unterstützung.

Wie man eine solche Sekte erkennen kann, dazu möchte ich zur Prävention hier einige Tips geben, für den Fall, dass Sie Kontakt zu einer Gemeinschaft haben und sich unsicher sind über Ihre Wahrnehmung.

  1. Vorsicht!
    Die Sekte behauptet, dass Ihre persönliche Wahrnehmung falsch sei. Denn nur die Gemeinschaft oder der Lehrer (Guru, Leiter, Meister, Führer) wissen genau, was richtig und was falsch ist. Kompromisse oder Ausnahmen gibt es nicht. Die Lehre der Gruppe wird als einzig richtige Wahrheit dargestellt, Widerspruch ist nicht erwünscht oder wird als feindlich (satanisch, abtrünnig, zerstörerisch...) gebrandmarkt. Es fehlt an Toleranz gegenüber Andersdenkenden, sie werden verurteilt. Jede Kritik an der Sekte ist der Beweis dafür, dass die Gruppe sich nach außen abschotten muss.
  2. Vorsicht!
    Die Lehre ist einfach und passt in ein paar Buchseiten. Sie erklärt alle Ihre Probleme und hat für alle Probleme die eine Lösung. Die Sekte bietet Ihnen Schutz vor Ihren Sorgen und Nöten, sie behauptet, dass Ihre Alltagsverpflichtungen nicht mehr wichtig seien und verspricht Ihnen ein einfaches Patentrezept zur Erlösung.
  3. Vorsicht!
    Die Sekte ängstigt Sie mit einer großen Bedrohung (Katastrophe, Hölle, höchtes Gericht, Weltuntergang ...), um dann die Mitgliedschaft in der Sekte als den einzigen Ausweg, die einzige Lösung zu präsentieren. Alle anderen Menschen sind verloren und dem Untergang geweiht.
  4. Vorsicht!
    Sie haben den Eindruck, nicht mehr frei in Ihren Entscheidungen und in Ihrer Lebensgestaltung sein. So zum Beispiel: Die Sekte will, dass Sie sofort Mitglied werden. Die Sekte schreibt Ihnen genau vor, zu welchen Personen Sie noch Kontakt haben dürfen und zu welchen nicht. Die Sekte verlangt von Ihnen Hilfstätigkeiten, die viel Zeit und Geld in Anspruch nehmen. Die Sekte verlangt strikte Befolgung aller Regeln und Verbote. Sie macht rigide Vorschriften zu Ihrer Partnerwahl und zu Ihrem Sexualleben.
  5. Vorsicht!
    Es ist schwer, die genaue Struktur und die Finanzierung der Gemeinschaft zu verstehen. Entweder gibt es eine Hierarchie, zu der nach oben hin kein oder kaum Kontakt möglich ist. Oder Sie erhalten keine Antworten auf Ihre Fragen, die relevante Informationen enthalten. Sie werden vertröstet oder beschwichtigt (das muss man selbst erleben, kann man nicht beschreiben, Mitmachen erklärt alles...) Zweifel werden als Ihr persönliches Unvermögen gedeutet (Sie besitzen eben nicht genug Glauben, Vertrauen oder Eignung).

Kostenlose Informationen und Hilfestellung erhalten Sie bei den kirchlich Beauftragten für Weltanschauungsfragen, die es in jeder Diözese bzw. jedem Bundesland gibt. Bei den Ministerien für Gesundheit und Soziales oder bei örtlichen Hilfsorganisationen. Adressen gibt es bei der evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) in Berlin, Internet: www.ekd.de/ezw/