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Tod

Jeder von uns macht früher oder später die Bekanntschaft mit dem Tod. Diese Bekanntschaft kann sehr unterschiedlich verlaufen. Zum Beispiel die bedrohliche Erkenntnis, das eigene Ende als unvermeidlich - wenn auch noch in weiter Ferne annehmen zu müssen. Oder wenn ein alter Verwandter stirbt. Bei alten Menschen und bei kranken Menschen hat der Tod oft eine erlösende Komponente. Oder wenn ein junger Mensch stirbt, dann sind wir schockiert. Oder wenn ein geliebter Mensch stirbt, dann sind wir verzweifelt und in Trauer. Oder wenn wir selbst mit dem eigenen nahen Tod konfrontiert werden, dann bekommen wir Angst.

Vermeiden, Ignorieren, Verleugnen, Festhalten

sind häufige Reaktionen im Umgang mit dem Thema Tod. Sie sind auch möglicherweise ein Zeitlang hilfreich. Ich möchte hier noch einige weitere Möglichkeiten aufzeigen, für den Fall, dass Ihre bisherigen Strategien nicht mehr greifen oder zu schädlichen Folgen geführt haben. Im Einzelfall muss natürlich die individuell richtige Umgangsweise gefunden werden, d.h. eine, die zum Zeitpunkt, zur äußeren und inneren Situation und zur Persönlichkeit passt. Es gibt also keine Allgemeinrezepte - nur Anregungen.

Wenn ein kranker Mensch stirbt: Was nützt es ihm, wenn alle so tun, als wäre es nicht wahr? Wenn sie ihm einreden, "es wird schon wieder", wo er selbst schon genau weiß, dass es nicht wieder wird. Dann hat der Sterbende gar keine Chance, das Thema anzusprechen, seine Ängste mitzuteilen, Beistand zu bekommen, noch etwas in Ordnung zu bringen, sich spirituellen Rat zu holen usw. Wir sollten dagegen offen für seine Nöte sein und den Bedürfnissen eines Sterbenden gerecht werden, indem wir uns diesem Thema nicht entziehen.

Wenn ein geliebter Mensch stirbt: Es ist ein Schock, eine Tragödie, ein schier unüberwindlicher Schmerz. Wir sind wütend, trotzig, verletzt. Wir wollen es nicht wahrhaben, wir wollen den geliebten Menschen nicht hergeben, nicht loslassen. Doch tun wir ihm etwas Gutes damit? Der übliche Satz "Ruhe in Frieden" wird kaum noch verstanden. Was bedeutet er eigentlich? Es ist ein Segenswunsch an den Toten, der vollständig heißt: "Deine Seele möge in Frieden ruhen." Im Umgang mit dem Tod wird vielen unser materialistische Weltbild zum Verhängnis, wonach mit der Auflösung des materiellen Körpers auch das Individuum verschwindet. Wer das glaubt - und es ist ein Glaube, wie jeder andere auch - kann nicht verstehen, was es mit diesem Frieden der Seele auf sich hat und warum das wichtig sein soll. Spirituelle Menschen verstehen, dass eine Seele ihren Frieden z.B. nicht finden kann wenn Hinterbliebene sie nicht loslassen wollen, wenn sie das Leid kultivieren, wenn sie ihr Leben nicht neu gestalten, wenn die Hinterbliebenen nämlich mit dem Umstand, dass der geliebte Mensch tot ist, keinen Frieden schließen können.

Das kann manchmal sehr schwer sein. Tragische Todes-Umstände, Schuldgefühle, die eigenen Verdrängungsmechanismen oder großer seelischer Schmerz können verhindern, dass nach einem Trauerprozess Frieden geschlossen wird mit dem Schicksal, dem Toten und dem eigenen Weiterleben.

Wenn sich der eigene Tod ankündigt: Dann sollten wir vorbereitet sein. Vorbereitet durch das Üben von Abschiednehmen. Wir sollten unsere Abschiede bewusst erleben und gestalten, unsere zu Ende gelebten Phasen auch gut und in Würde beenden. Dann wissen wir, wie es geht und welche wohltuende Wirkung ein gelungener Abschied hat. Wir sollten wissen, was Sterben bedeutet und dass es danach weiter geht. Es ist nachgewiesen, dass spirituelle Menschen mit großen Schicksalsschlägen besser umgehen können als andere. Warum? Weil sie ein größeres Fundament für ihr Leben besitzen. Ein spiritueller Mensch weiß, dass es transzendente, d.h. mit den normalen Sinnen nicht erfassbare, Dimensionen gibt, die dem Verlauf eines Lebens sowie seinem Ende einen Sinn geben. Wir können uns vorbereiten, indem wir aufhören, den Tod zu ignorieren, sondern ihn als Bestandteil der körperlichen Existenz akzeptieren. Wertvolle Gelegenheiten dazu sind Krisen, in denen wir mit dem eigenen oder dem Tod von Anderen konfrontiert sind. Wichtige Hilfen sind Literatur, spirituelle Lehrer und Therapeuten, die ein wenig "hinter den Vorhang" sehen können.