Die Verhaltenstherapie hat sich in den 80iger Jahren aus der Forschung zu Lernen und Verhalten
entwickelt. Zu dieser Zeit suchten viele Wissenschaftler und Therapeuten nach neuen
Wegen in der Psychotherapie als Alternative
zur Psychoanalyse. Der Begriff "Verhaltenstherapie" ist etwas missverständlich, viele meinen,
nur äußeres Verhalten sei Gegenstand der Behandlung oder reine Symptomkur. Dem ist nicht so.
In der modernen Verhaltenstherapie haben Gedanken und Gefühle eine ebenso große Bedeutung,
Das menschliche Erleben und Verhalten wird als komplexes Zusammenspiel vieler Bedingungen
gesehen.
Die verhaltenstherapeutische Arbeit sieht im Zentrum der Behandlung die
Schwierigkeiten eines Menschen im Alltag und ob die vorhandenen Strategien und Kenntnisse den Bedürfnissen
einer Person und ihres sozialen Umfeldes noch gerecht werden. Die Ursachen
und Lösungen dieser Probleme werden vorrangig
in der Gegenwart gesucht, weniger in der Vergangenheit. Trotzdem spielt die Vergangenheit eine Rolle,
denn sie spiegelt die individuelle Lerngeschichte wider, in der jemand seine persönlichen Überlebensstrategien
und Reaktionsweisen entwickelt hat. Es werden also ausgehend von den aktuellen Situationen auch
die früheren Erlebnisse miteinbezogen, die zur Entstehung dieser Probleme beigetragen haben.
Verhaltenstherapie braucht aus den genannten Gründen eigentlich keine Krankheitsdiagnosen,
sondern betrachtet individuell, woran ein Mensch leidet. Idealerweise würde jemand Verhaltenstherapie
in Anspruch nehmen, bevor sich eine psychische oder körperliche Krankheit eingestellt hat.
Nämlich dann, wenn spürbar wird, dass man irgendwo allein nicht mehr weiter kommt oder für ein Problem
keine Lösung findet. Trotzdem hat die Verhaltenstherapie wissenschaftlich nachgewiesene gute
Erfolge bei psychischen Erkrankungen.
Selbstverständlich gibt es keine Psychotherapie-Methode ohne die Therapeutin, die sie anwendet.
Jede Therapeutin, jeder Therapeut erarbeitet sich mit der Zeit eine persönliche Auswahl
von Methoden und Anwendungen. Die Persönlichkeit spielt auch eine Rolle. Und da Vertrauen die
Basis jeder Psychotherapie ist, sollten Sie sich mit Ihrer Psychotherapeutin, Ihrem Psychotherapeuten
auch wohlfühlen. Ich ermutige meine Patienten immer, mich zu fragen, wenn sie etwas nicht verstehen
oder es anzusprechen, wenn sie Zweifel haben.